19. April 2010 – 08:42
Wie denkt PR über HR? Die beiden Abteilungen sind in den meisten Unternehmen schon jetzt im Gespräch. Die Unternehmenskommunikatoren haben als interne Kunden von HR mit den Personalprofis zu tun, sprechen mit ihnen aber auch über Mitarbeiter-Medien und Krisenkommunikation. Professor Lothar Rolke hat gemeinsam mit der Schuhmann Personalberatung für die aktuelle Studie „Wie die PR-Kommunikatoren über HR denken“ rund 100 Kommunikationschefs befragt. Wir haben mit dem Mainzer Kommunikationswissenschaftler über die Ergebnisse der Studie gesprochen.
Rund 80 Prozent der Kommunikationschefs sind einmal pro Woche mit der HR-Abteilung in Kontakt und bezeichnen die Zusammenarbeit als „sehr gut“ oder „gut“. Sie sprechen von einer „eingespielten Kultur der Zusammenarbeit“ zwischen HR und PR. Wie kommt es dann, dass eine aktive und geplante Pressearbeit zu Personalthemen in den meisten Unternehmen nicht stattfindet?
Weil der Personaler alten Zuschnitts nach innen orientiert ist und dabei das persönliche Gespräch bevorzugt. Öffentlichkeitsarbeit überlässt er den Kollegen von der PR. Dabei verbleibt interne Kommunikation heute nicht mehr intern und externe nicht mehr extern. Wer etwas zu sagen hat, muss in alle Richtungen sprechen können. Hier gibt es durchaus Nachholbedarf.
Rund die Hälfte der Kommunikationsverantwortlichen arbeitet Ihrer Studie zufolge nur „gelegentlich“ oder überhaupt nicht beim Thema „Employer Branding“ mit HR zusammen. Woher diese Zurückhaltung?
Viele PR-Leute sehen in Fragen zur Arbeitgeber-Marke eher ein Marketingthema. Dabei ist es originärer Bestandteil der Unternehmenskommunikation. Wenn man Stilisierungen nicht scheut, dann ist es der Kern jeglichen CSR-Engagements. Wer würde ein Unternehmen ernst nehmen, das sich zwar gesellschaftlich engagiert, aber seine Mitarbeiter schlecht behandelt? Hier können manche Kommunikatoren aus den PR-Abteilungen vielleicht noch etwas lernen.
Wie sieht Ihrer Einschätzung nach der Beitrag der Kommunikatoren zum Employer Branding bei der anderen Hälfte aus, die angibt in dieser Frage regelmäßig mit HR zusammenzuarbeiten?
Wir sehen durchaus positive Beispiele dafür, dass personalbezogene Themen geplant und die Aktivitäten des Personalmarketings um PR-Maßnahmen ergänzt werden. Demographie, Diversity und Development sind gestaltbare öffentlichkeitsrelevante Themen, um die sich HR und PR gemeinsam kümmern können.
Über 80 Prozent der befragten Kommunikationschefs sind davon überzeugt, dass die Kommunikation für Personaler und Personalthemen in der Kommunikation künftig wichtiger werden. Woher stammt diese Überzeugung?
Die wirtschaftliche Entwicklung verläuft unberechenbarer, Reorganisationen sind in Unternehmen zu einem Dauerphänomen geworden und Wachstumsstrategien und Kosteneinsparungsprogramme werden heute gleichzeitig verfolgt. All das verlangt sehr viel von den bestehenden Belegschaften, den zukünftigen Mitarbeitern und den Führungskräften ab. Also ist es ein Thema in den Betrieben, im Familien- und Freundeskreis und immer öfter in Redaktionen, die heute selber sehr viel stärker von Umstrukturierung betroffen sind. Wer genau hinschaut, dem wird das nicht verborgen bleiben.
Bei welchen Themen werden HR und PR künftig enger zusammenarbeiten müssen?
Vor allem beim ganzen Thema Marke, was eben auch Produkt- und Leistungsmarken miteinschließen kann, aber vor allem die Arbeitgebermarke betrifft. Ebenso beim Thema „Change“ und „War for Talents“. Dabei geht es vor allem um strategische Fragen.
50 Prozent der Befragten sind überzeugt, dass Social Media die Personal- und Kommunikationsabteilungen dazu zwingen wird, enger zusammenzuarbeiten. Wie kann das konkret aussehen?
Wenn sich die Mitarbeiter sowieso auf XING organisieren oder Videos über ihr Unternehmen auf Youtube stellen, wenn die Mitarbeiter im Social Web privat unterwegs sind und neue Kommunikationsformen mit einem neuen Werteverständnis kennenlernen, dann müssen Unternehmen lernen diese Entwicklungen zu nutzen. Den Internetzugang sperren ist eher hilflos, denn mit der neuen Welt des WorldwideWeb wird sich auch die Unternehmenskultur verändern müssen. Denn es gilt nun einmal: „No company is an island. But if you still believe a company is an island, don‘t forget: The employees come from the mainland.“ (Rolkes Leitspruch 2010)
Rund die Hälfte der Kommunikationschefs fordert Ihrer Studie zufolge von HR mehr Mut in der internen und externen Kommunikation. Wenn man mit Personalern spricht, entsteht bisweilen der Eindruck, dass die Abteilungen für Unternehmenskommunikation gerade in der externen Kommunikation von Personalthemen eher auf die Bremse treten. Wie erklären Sie sich diesen Widerspruch?
Es reicht ja nicht Personalthemen zu präsentieren und den Kommunikationsleuten zu sagen, dass sie dazu Pressemitteilungen verfassen sollen, sondern es geht um Nachrichtenwerte, also die Frage der Medientauglichkeit und um die Akzeptanz von Risiken im Umgang mit Journalisten. Hier existieren in HR-Abteilungen mitunter ganz falsche Vorstellungen über das, was Pressearbeit leisten kann.
Über 70 Prozent der Befragten lehnen es ab, dass HR einen eigenen Kommunikationsverantwortlichen einstellt, der direkt an den Leiter Personal berichtet. Hätte dieser HR-Kommunikator dann auch die Hoheit in Presseangelegenheiten zu Personalthemen? Gibt es so ein Modell schon? In welchem Unternehmen?
Noch wichtiger ist, dass sich fast 50 Prozent der Kommunikations-Chefs aus Unternehmen mit mehr als 10.000 Mitarbeiter vorstellen können, in der HR-Abteilung einen Kommunikator zu haben, der an den Leiter Personal berichtet. In der Praxis sehen wir nicht selten auch eine Art Matrix-Organisation, wo eine doppelte Abstimmung stattfindet. Interessante Experimente mit unterschiedlichen Zuordnungen beobachten wir bei EON, Deutsche Bank, Commerzbank und BASF, aber auch die Allianz hat eine Schnittstellenfunktion geschaffen.
Den Ergebnissen Ihrer Studie nach zu urteilen akzeptieren gerade die Kommunikationsverantwortlichen aus solchen Großunternehmen am ehesten die Idee einer HR-Spartenkommunikation in Eigenregie der Personalabteilung. Warum ist das so?
Es trägt der steigenden Relevanz von Personalthemen im weitesten Sinne Rechnung, was wir übrigens durch eigene Forschungen bestätigen können. Und wenn etwas hinreichend relevant ist, dann entstehen neue Funktionen. Um das Jahr 2000 konnten wir schon einmal beobachten wie eine neue Spartenkommunikation entstand: die Finanzkommunikation (Investor Relations). Heute erleben wir wie sich als neue Sparte die Personalkommunikation herausbildet – unabhängig davon, ob sie der PR- oder der HR-Abteilung zugeordnet wird. Die Abteilung, die diese Entwicklung verschläft, wird das Nachsehen haben.
Prof. Dr. Lothar Rolke lehrt BWL und Unternehmenskommunikation an der FH Mainz – University of Applied Sciences. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen Personalkommunikation und Online-PR, Web-Monitoring und Kommunikations-Controlling. Er hat zahlreiche Studien veröffentlicht und ist ein gefragter Referent.
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