Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: “m/w” und fertig?
27. Juli 2011 – 09:27Heute gibt es den ersten von Google+ angeregten Beitrag in diesem Blog. Martin Poreda von kununu hat dort nach einer gender-gerechten Sprachlösung für “Mitarbeiter” beziehungsweise “Bewerber” gefragt. Da möchte ich gerne meinen Sprach-Senf dazu geben.
Die Variante “Mitarbeiter (m/w)” ist mittlerweile in der Recruitingkommunikation die von vielen favorisierte Lösung, um beide Geschlechter anzusprechen. Ich persönlich finde sie sehr einfach zu handhaben, aber unglücklich, da “Mitarbeiter” nun mal ein eindeutiges Geschlecht hat und die Einbeziehung der Mitarbeiterinnen durch das Kürzel etwas nachgeschoben wird. Die weit verbreitete “m/w”-Praxis führt in einigen Stellenanzeigen übrigens zu schönen Stilblüten à la “Chefsekretärin (m/w) gesucht”. Für mich hat die “m/w”-Praxis in Deutschland immer den schalen Beigeschmack von “Ich finde es eigentlich unmöglich, aber das AGG zwingt mich dazu.” Angemessener finde ich daher persönlich die Variante mit Bindestrich “Mitarbeiter/-innen”.
“Mitarbeitende” und “Bewerbende” wäre theoretisch eine elegante Lösung – siehe die Parallele zu “Studierende”, das sich mittlerweile als der politisch korrekte Begriff für Studenten beiderlei Geschlechts durchgesetzt hat. Gebräuchlich sind “Mitarbeitende” oder “Bewerbende” allerdings nicht – von daher würde ich aus Verständlichkeitsgründen derzeit eher die Finger davon lassen.
Grammatikalisch umfasst “Mitarbeiter” zwar immer auch “Mitarbeiterinnen”. Mittlerweile gibt es aber durchschlagende rechtliche und ebenso ernstzunehmende personalstrategische Gründe, in der HR-Kommunikation beide Geschlechter gezielt anzusprechen. Eigentlich steht daher die grammatikalisch korrekte, “historische” Variante gar nicht mehr zur Wahl. Die “m/w” Lösung ist aus meiner Sicht zwar formaljuristisch, aber im Hinblick auf den personalstrategischen Hintergrund des männlich/weiblich-Begriffswirrwarrs nicht ganz befriedigend. Hier geht es ja nicht um das AGG, sondern um Diversity und um den Ansatz, das viel zitierte “weibliche Talentreservoir” gezielt anzusprechen.
Zudem stehen formaljuristisch motivierte Kürzel wie “m/w” aus meiner Sicht eher für einen behördlich-technischen und nicht für einen zugewandten, dialogorientierten Stil in der Kommunikation mit Bewerbern.
Herzlich willkommen auf meinem Weblog. Ich bin Manfred Böcker und biete Ihnen hier Infor- mationen, Anregungen und Tipps zum Thema Kommunikation und Arbeitswelten.
3 Kommentare zu “Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: “m/w” und fertig?”
Ein HR Kollege meinte dazu mal:
Mitarbeiter (m/w/n) sonst fühlen sich Transvestiten diskriminiert
geschrieben von bernd schmitz am 27. Jul, 2011
Menschen (denn das wird oft vergessen…)
geschrieben von Ralf Tometschek am 28. Jul, 2011
Also ich bin der Meinung, dass es allgemein genug und dennoch ansprechend genug ist, Mitarbeiter (m/w) zu verwenden. Hat sich tatsächlich schon jemand über diese Bezeichnung auf den Schlips getreten gefühlt?
Berufsbezeichnungen mit (m/w) sind ja genauso typisch in Anzeigen etc. zu lesen. Da sollte ein solch allgemeiner Begriff wie “Mitarbeiter” doch auch legitim bleiben
geschrieben von Sabine am 22. Aug, 2011