Just the Next Big Thing: CSR und HR

6. Dezember 2010 – 20:05

Es ist fast schon ein Klischee, aber viele HR-Trends werden zuerst in den USA sichtbar und kommen in Deutschland erst mit ein- oder zweijähriger Verzögerung zum Vorschein. So war es mit dem Konzept der Businesspartnerschaft, so scheint es jetzt auch mit dem Thema Corporate Social Responsibility (CSR) als Herausforderung für die Personalarbeit zu sein. Die Zeitschrift des weltweit größten Personalerverbands SHRM, das US-amerikanische Human Resources Magazine hatte das Thema HR und CSR schon 2008 auf dem Titel.

CSR/HR liegt in der Luft
Auch hierzulande liegt das Thema in der Luft. Einige Trendsetter haben die Witterung aufgenommen und auch die Fachpresse meldet sich dazu:

  • Das DGFP-Hausblatt Personalführung macht CSR und HR in einem englischsprachigen Beitrag von Elaine Cohen als Zukunftstrend für ein modernes HR-Management aus.
  • In der aktuellen Dezemberausgabe bringt das Personalmagazin einen Beitrag zu „Green HR“.
  • Der Bundesverband der Personalmanager (BPM) bietet seinen Mitgliedern eine Broschüre zum Thema als Download.
  • Telekom-Vorstand Thomas Sattelberger fordert in der aktuellen Wirtschaftswoche (49/2010)  “Schutzräume für Querdenker” in Unternehmen und möchte durch mehr Vielfalt mehr Sensorik für “das Draußen” entstehen sehen.

Ganzheitliches Verständnis
Interessant an der aktuellen Diskussion zum Thema ist vor allem die erweiterte Perspektive auf CSR und HR: In der Schmalspurversion bezog man sich in Deutschland bislang meist auf Employer Branding-Aspekte: Ein Arbeitgeber mit Sinn für gesellschaftliche und ökologische Verantwortung wird von den internen und externen Talentzielgruppen als attraktiver wahrgenommen. Das ist nicht falsch, aber nicht einmal die halbe Miete. CSR beeinflusst ja nicht nur die Talent-, sondern auch die Produkt- und Finanzmärkte. Das Unternehmen wird nicht nur als Arbeitgeber durch die CSR-Brille gesehen, sondern auch als Gesamtorganisation, Hersteller von Produkten oder Dienstleistungen und mögliches Investitionsobjekt.

HRler sind draußen
Mit all diesen Dimensionen hat HR etwas zu tun. Denn CSR ist als ganzheitliches Konzept für Unternehmensführung und -Kultur im Kern eigentlich ein HR-Thema. Bislang bleiben Personaler in Deutschland dabei aber meist außen vor, was auch erklären dürfte, warum in vielen deutschen Top-Unternehmen eine ordentliche Lücke zwischen Nachhaltigkeitsanspruch und Wirklichkeit in der Unternehmensführung klafft (siehe PR Report 12/2010).

Steigende Bedeutung
CSR gewinnt für Unternehmen in den kommenden Jahren an Bedeutung: Nach einer im Oktober durchgeführten Studie der UN-Initiative Global Compact erwarten 93 Prozent der Vorstandschefs der weltweit größten Unternehmen, dass „nachhaltiges Wirtschaften“ ihr Geschäft in den kommenden fünf bis zehn Jahren prägen wird (FTD 2.12.10). Wer aber wird diese Nachhaltigkeit gestalten? Die Menschen im Unternehmen. Und welche Funktion ist für den menschlichen Faktor im Unternehmen zuständig? Das Human Resources Management. Typisch mag die eine oder dernandere jetzt denken, die Personaler landen mal wieder bei einem butterweichen Thema. Sobald es menschelt, treten die Personaler auf den Plan.

Beitrag zum Business
Hier geht es aber um mehr. Definieren wir mit dem ehemaligen Personalleiter des Mittelständlers Voss, Sigfried Baumeister, das HRM fern jeder Sozialromantik als die Funktion, die die Ressource Mensch professionell bewirtschaftet (in: Böcker/Schelenz, Personalentwicklung als Kommunikationsaufgabe), so ergeben sich für ein modern geführtes Unternehmen daraus eine Fülle von CSR-Aufgaben. Denn Nachhaltigkeit gehört heute zu einer „professionellen Bewirtschaftung“ von Ressourcen im Unternehmen.

Beispiele für den Beitrag von  HR zum Thema CSR

  • HR sorgt dafür, dass Menschen mit werte- und nachhaltigkeitskompatibler Orientierung für das Unternehmen gewonnen werden  – und möglichst lange dort bleiben.
  • HR sorgt dafür, dass besonders Schlüsselfunktionen im Unternehmen von Menschen mit einem solchen Mind Set besetzt werden. Bei der Laufbahnplanung ist die Orientierung an Nachhaltigkeitsprinzipien ein Kriterium für das Weiterkommen im Unternehmen.
  • HR sorgt für faire, transparente und am Gedanken der Nachhaltigkeit orientierte Vergütungssysteme im Unternehmen.
  • HRM sorgt für eine Kultur, in dem sich ein fairer Umgang mit Mitarbeitern und der Mitarbeiter untereinander entwickeln kann.

Ob im Recruiting und Employer Branding, Talent Management, bei den Vergütungssystemen oder beim Thema Diversity: Das Human Resources Management stößt überall auf  CSR.  HR hat die aktuell die Chance, CSR als strategisches Thema für eine moderne Unternehmensführung zu besetzen und dafür Verantwortung im Unternehmen zu tragen. Für Elaine Cohen, die nicht nur den aktuellen Beitrag in der Personalführung sondern auch ein Buch zum Thema verfasst hat (CSR for HR, Greenleaf Publishing 2010), ist CSR sogar „just the next big thing“ mit dem HR-Professionals die endlose Debatte zur Daseinsberechtigung ihrer Funktion beenden und HR zum anerkannten Teil des Managements machen könnten.

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