Praktikantenspiegel: Von erwarteter und erfahrener Arbeitgeber-Qualität
17. Januar 2011 – 10:42Kurz vor Weihnachten stieß ich auf einen interessanten Beitrag in der Süddeutschen Zeitung (Beruf und Karriere vom 18. Dezember 2010). Es ist schon ein bisschen was her. Da das Thema aber durchaus bedenkenswert ist, möchte euch heute einige Zeilen dazu bloggen. Es ging um eine neue Untersuchung zum Ruf von Arbeitgebern bei Praktikanten.
Interessant an diesem “Praktikantenspiegel”: Er nimmt nicht nur “Image” in den Blick, sondern Erfahrungen, die Praktikanten mit konkreten Arbeitgebern gemacht haben. Immerhin 3629 Praktikanten haben 122 Unternehmen bewertet. Das heißt, pro Unternehmen liegen rund 30 Bewertungen vor.
Die Urheber der Studie (die Interim-Managementberatung Clevis und die Jobbörse ABSOLVENTA) stellten die Ergebnisse von 50 dieser bewerteten Unternehmen den üblichen Absolventenbaromtern gegenüber. Fazit: Das Image eines Arbeitgebers und tatsächliche Erfahrungen mit diesem Arbeitgeber sind oft nicht deckungsgleich.
Der Praktikantenspiegel macht sogar eine Gruppe von ausgesprochenen “Blendern” unter den Arbeitgebern aus – mit sehr gutem Ruf aber sehr schlechter Performance als Praktikumsgeber.
Eigentlich ist das nicht überraschend: Image und Erfahrung liegen oft sehr weit auseinander, was auch an dem Versuch einiger Arbeitgeber liegt, in der Kommunikation möglichst allen vermuteten Erwartungen ihrer Zielgruppe brav entgegenzukommen. Ein derart unauthentisches Verfahren produziert Enttäuschungen und ist letztlich für Unternehmen nicht zielführend. Employer Branding ist eben mehr, als bunte Bildchen, Claims und flotte Werbesprüche zu produzieren.
Es geht darum, das “Produkt Arbeitsplatz” an den Bedarf der Talentmärkte anzupassen. Dazu gehört auch der Umgang mit Praktikanten. Nach dieser Arbeit eines gestaltenden Employer Branding braucht es eine passende Kommunikation – und nicht den Versuch, möglichst die Besten mit allen Mitteln ins Unternehmen zu locken. Sondern Menschen zu finden, die zum Unternehmen passen – zumindest mittelfristig, sonst entstehen Kosten für Neubesetzungen – und Frust.
Die Studie macht aber auch eine Gruppe von “Hidden Champions” aus – mit hoher erfahrener Attraktivität aber geringer Markenstärke. Hier schlummern sicher gute Möglichkeiten, für eine gezielte Arbeitgeberkommunikation, die auf überzeugende Fakten und bewegende Beispiele setzt.
Weitere Informationen finden sich übrigens auf der Homepage von Clevis. Dort fallen auf einer “Employer Branding Matrix” auch Namen. Zu den “Stars” mit gleichermaßen gutem Ruf und guter Arbeitgeber-Performance gehören zum Beispiel Adidas, Audi und Bosch, zu den “Hidden Champions” die Commerzbank, die Deutsche Telekom und RWE.
So richtig auf Stichhaltigkeit bewerten kann man den “Praktikantenspiegel” übrigens nicht. Die Infos zur Studie fließen recht spärlich, konkrete Zahlen und Fakten zur Bewertung im Detail werden kaum kommunziert. Interessant finde ich das Ganze trotzdem. Vielleicht liefern die Studienautoren ja noch nach…
Herzlich willkommen auf meinem Weblog. Ich bin Manfred Böcker und biete Ihnen hier Infor- mationen, Anregungen und Tipps zum Thema Kommunikation und Arbeitswelten.