Der Berg ruft: Männliche Führungsfiguren

Vor ein paar Tagen schaute ich mir ein ausführliches Interview mit dem Extrembergsteiger und Einmann-Gesamtkunstwerk Reinhold Messner in der aktuellen Ausgabe einer deutschen Personalfachzeitschrift an. Keine Frage: Ich habe den Text mit großem Interesse gelesen, ich mag den Mann; die Bergsteigerei fasziniert mich. Allerdings setze ich mittlerweile ein dickes Fragezeichen hinter den Erkenntnisgewinn von Analogien aus dem Sport, zumal dem Extremsport für das Personal- sowie Führungswesen und Management.

Führungsanalogien und Gender Diversity
Beim Lesen des Beitrags kam mir zudem erstmals folgender Gedanke (fast zeitgleich habe ich im Manager Magazin einen sehr munter geschriebenen Beitrag von Klaus Werle über die aktuelle Angst der Männer vor der Frauenquote gelesen): Wären derartige Analogien auch so beliebt, wenn „Führung“ insgesamt weiblicher besetzt wäre, also es mehr Frauen in Führungspositionen gäbe und der Diskurs zum Thema insgesamt weniger testosterongeladen daherkäme? Meine recht eindeutige, wenn auch intuitive Antwort: Nein.

Einsamer Leader an der Spitze mit Lust am Risiko
Der „Bergführer“ an der Spitze, der einsam in Eis und Schnee aus dem Bauch heraus die richtige Antwort in der richtigen Situation trifft, entspricht zum einen nun einmal einem zutiefst männlichen „Leadership“-Ideal. Selbiges lässt sich natürlich von neumodischem Schnickschnack wie postheroisches Management oder Führung als Teamleistung nicht beeindrucken. Zum anderen ist die Bereitschaft, sich ohne existenzielle Not ins extreme Risiko zu begeben, auch eine spezifisch männliche „Tugend“. Das haben wir mittlerweile oft genug gehört, zuletzt im Zusammenhang mit der Finanzkrise. Mal sehen, welche Analogien auf den Plan treten, wenn sich langfristig mehr Frauen in Führungspositionen durchsetzen sollten…