„Hast du meinen Hoodie gebügelt, Schatz?“

Keine Frage, die gewohnte Kleiderordnung fürs Büro und für Geschäftsveranstaltungen löst sich gerade in rasantem Tempo auf. Kundentermine und Kongressbesuche habe ich bis vor kurzem durchgängig in Anzug, Hemd und Lederschuhen absolviert. Die Krawatte legte ich dabei schon vor zehn Jahren zu den Kleiderakten, weil ich sie immer als Strick um den Hals empfunden habe.

An Anzug sollt ihr sie erkennen
Mit meinem Standardoutfit aber bin ich jetzt vollständig overdressed. Meine Kunden tragen immer häufiger Jeans. Ein Freund von mir, der für eine große Versicherung arbeitet, sagte mir kürzlich, dass man die Externen bei seinem Arbeitgeber „am Anzug“ erkenne. Auf Kongressen setzen sich immer mehr Sneakers und Hoodies durch. Der Anteil an Sneakerträgern (AST) gilt mittlerweile als verlässliche Kennzahl dafür, ob die Veranstaltung tatsächlich hip genug ist und man zum Beispiel auch schon äußerlich erkennt, dass es hier um „New Work“ geht.

Kontrolle über dein Leben
„Was für Zeiten, was für Sitten“ (für Asterix-Leser: „o tempora o mores“), mögen die Verfechter traditioneller Sittenstrenge in der Garderobe da wehklagen. Oder in Abwandlung eines Bonmots von Karl Lagerfeld gar entrüstet ausrufen: „Wer einen Hoodie trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren!“

Umziehen nach dem Autowaschen nicht nötig
Die Zeiten ändern sich eben, na und? Was auffällt, ist die zunehmende Unsicherheit in den sich ändernden Zeiten. Nehmen wir zum Beispiel den Hoodie. Hier haben sich ganz unterschiedliche Formen entwickelt, das landläufig auch „Kapuzenpulli“ genannte Kleidungsstück bei Kongressen zu tragen:

  • Einige zeigen einen perfekt sitzenden Hoodie mit der kaltschnäuzigen Eleganz der jahrelangen Gewohnheit.
  • Andere ziehen sich nach dem Autowaschen am Wochenende einfach nicht um.
  • Dritte wiederum sehen auch mit Hoodie immer noch aus wie die Büroausgabe von „Muttis Liebling“ – als ob ihre bessere Hälfte (sei diese nun m, w oder d) das gute Stück am Vorabend des Events noch rasch gebügelt hätte.

Irgendwann passt alles
Mit dieser Inkohärenz werden wir alle wohl noch länger leben müssen. Siehe dazu auch die Anmerkung des Hirnforschers Gerald Hüther auf der New Work Experience 2019 zum Thema Kohärenz: „Wenn man gestorben ist, passt dann alles.“ Genießen wir die Übergangsphase, in der wir nichts so richtig falsch machen können. Vermutlich erscheinen bald die ersten Pflichtlektüren zur neuen Kleiderordnung im Büro. Dann ist Schluss mit lustig.