Personaler im Selfie: glücklich, aber erfolglos?

Berufsfeldstudie des BPM
Endlich mal eine gute Nachricht: Personaler, HR-Professionals oder wie immer man die Vertreter der HR-Zunft nennen möchte, sind ein zufriedener Berufsstand. Das zumindest behaupten die Autoren der Ende Juni erschienenen Berufsfeldstudie des Bundesverbands der Personalmanager (BPM). Ihr zufolge sind 81 Prozent von ihnen in ihrem Beruf „zufrieden“. Damit ist die Zufriedenheit seit 2010 sogar noch um einige Prozente gestiegen. Nur zehn Prozent von ihnen möchte langfristig HR verlassen. Wohin sollen die meisten auch gehen? Fast die Hälfte der befragten Personaler hat nie etwas anderes gemacht als HR. Befragt wurden für die 2014er-Runde insgesamt rund 3.500 Personaler.

Selbstbild mit Widersprüchen
Die meisten Vertreterinnen und Vertreter der HR-Zunft sehen sich dabei als strategische Partner des Business (71 Prozent), nur 19 Prozent als Administrative Experten. So weit, so gut. Der Aktenlage nach zu urteilen mangelt es der Funktion also nicht an Selbstbewusstsein. Die Studie enthält allerdings auch einige Hinweise, die auf Widersprüche hindeuten, wenn wir zu diesem Selbstbild noch Parameter hinzuziehen, die Rückschlüsse auf Fremdbilder zulassen. In drei Viertel der befragten Unternehmensorganisationen ist HR auf höchster oder zweithöchster Ebene angesiedelt. In einem Viertel ist das also nicht der Fall. Was heißt außerdem „zweithöchste Ebene“? Bekannt ist ja, dass zum Beispiel viele DAX30-Unternehmen auf der ersten Ebene keinen „echten Personalvorstand“ mehr haben, der Erfahrungen aus der Funktion mitbringt und HR stark vertritt.

Mangelnde Anerkennung als Berater
Das ist schade, weil HR der Studie zufolge – oh Wunder – vor allem dann Einfluss auf strategische Entscheidung im Unternehmen vertreten ist, wenn die Funktion auf höchster Leitungsebene vertreten ist – in 64% dieser befragten Unternehmen. Das heißt aber auch wieder umgekehrt, dass HR als strategischer Partner in fast einem Drittel der Unternehmen mit HR-Präsenz auf höchster Ebene keine Rolle spielt. Der Hintergrund: Als Berater ist HR der Studie zufolge noch längst nicht in allen Unternehmendorganisationen anerkannt: Nur in 57% der Unternehmen sieht die Unternehmensleitung in HR einen strategischen Berater.

Fazit: Noch nicht angekommen
Die Studie zeigt das Selbstbild einer Profession, die sich im Wandel zum Gestalter auf den Weg gemacht hat, aber noch nicht ganz angekommen ist. Dazu passt auch ein Artikel von Bärbel Schwertfeger, der am 26. Juni in der ZEIT erschienen ist („Mitarbeiter sind zweitrangig“). Das Fazit des Beitrags: HR-Aufgaben werden auch in Deutschland immer wichtiger, aber Rang und Macht der HR-Funktion in Unternehmensorganisationen schwindet. Schwertfeger liefert sogar Vergleichszahlen aus anderen Ländern: Das Problem scheint demzufolge hausgemacht zu sein. Schön an dem wie bei der Autorin gewohnt grundsoliden und treffenden Beitrag fand ich auch, dass zum Stand der Dinge in HR sich vor allem Ehemalige äußern, auch das ein Symptom des aktuellen Mangels an starken Personalern. Interessant bleibt es also in den kommenden Monaten, das durch den BPM erhobene Selbstbild der Personaler mit detaillierten Fremdbild-Studien abzugleichen. Da bleiben wir gerne dran.